So schützt der Holzbau die Wasserversorgung der Römer
Der Studiengang Holzingenieurwesen der FH Aachen macht angehende Ingenieurinnen und Ingenieure mit den spezifischen Materialeigenschaften des Baumaterials vertraut. Dazu gehört auch eine ordentliche Portion Praxis, zum Beispiel in Form konkreter Bauvorhaben, die im Zuge von Prüfungen realisiert werden. Eins davon: die Überdachung eines römischen Artefakts.
Wir haben also eine 95 km lange Leitung …
Die "Römische Wasserleitung", befindlich auf dem Gelände der Aachener Handwerkskammer, ist ein technisches und archäologisches Denkmal und Teil der historischen Eifelwasserleitung: Gebaut im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, lieferte sie über 95 Kilometer hinweg frisches Trinkwasser aus der Eifel bis nach Köln. Vorangetrieben wurde das Wasser einzig vom leichten Gefälle der Leitung. Da sie unter anderem dem Straßenbau Platz machen musste, existieren heute nur noch wenige Stücke – um so wichtiger, dass diese erhalten bleiben. Eine gute Gelegenheit für die FH-Studierenden, ihr Können unter Beweis zu stellen. Drei Teams sollten je einen Entwurf erstellen und in der neuen Abbundhalle der Handwerkskammer errichten.
Eine Reihe von Anforderungen
Natürlich reichte es nicht, ein Dach auf vier Pfosten zu stellen. Um ihre Prüfung zu bestehen, mussten die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure eine ganze Reihe Herausforderungen erfüllen. Das hölzerne Schutzdach sollte die römische Wasserleitung nicht nur vor der Witterung schützen, es musste auch:
- gute Sicht auf das Denkmal gewähren
- regionale Hölzer beinhalten
- selber witterungsfest und somit dauerhaft sein
- ansprechend und passend zum Umfeld gestaltet sein
- die Möglichkeit bieten, das Design zu adaptieren und bei anderen Ausstellungsstücken wiederzuverwenden
Hand(werk) und (Stützen)fuß
Punkt drei, Witterungsschutz, war angesichts der exponierten Lage kein Kinderspiel: Der ganze Bau würde auf einer Grünfläche stehen, Regen und kriechender Feuchtigkeit komplett ausgesetzt. Das Holz chemisch zu imprägnieren, war laut Aufgabe untersagt. Also musste etwas anderes her. Warum nicht den ganzen Bau auf Stützenfüße stellen? So würde das Holz den nötigen Abstand zum Boden bekommen, um sicher vor Spritzwasser zu sein. Die Stützenfüße vom Typ PIG und PISMAXI steuerte Simpson Strong-Tie gerne zum Projekt bei.
Holzbau hoch vier
Das Projekt ist in vier einzelne Blöcke gegliedert, und am Ende jedes einzelnen galt es bestimmte Resultate vorzuweisen: Block 1 endete mit der Abgabe des Team-Entwurfs, Block 2 mit einer Darstellung des Haupttragwerks samt Lastabtragung. Block 3 wurde mit den konkreten Bauplänen sowie der fertigen Statik abgeschlossen. Und Block 4 vervollständigte die dreidimensionale Planung sowie die Kostenkalkulation. Dann gab es nur noch den eigentlichen Bau, angesichts von so viel Vorbereitung ja ein Klacks, nicht wahr?
Handwerk schützt Handwerk
Am 10. Juli präsentierten die drei Teams ihre vollendeten Prototypen der Jury. Die siegreiche Überdachung, die den bescheidenen Namen "A" trägt, bleibt im Rahmen des vorgegebenen Lichtraumprofils von 3 x 5 x 3,5 m³. Neben dem Eigengewicht hat die Konstruktion auch Wind- und hohe Schneelasten (Standort Eifel) abzutragen. Dementsprechend robust ist sie, und den Stützenfüßen machen diese hohen Lasten ohnehin nichts aus. Das überzeugende Design, dass sich das siebenköpfige Team ausgedacht hat, erinnert an mittelalterliches Fachwerk und wirkt schlank, elegant und offen. Überdachung A wird in den kommenden Tagen auf das Außengelände der Handwerkskammer transportiert, um dort den Schutz des fast 2000 Jahre alten Leitungsabschnitts zu übernehmen. Wir freuen uns, an diesem Beispiel für lebende und überlebende Geschichte mitwirken zu können, und wünschen den neuen Holzbau-Ingenieurinnen und -Ingenieuren alles Beste!
Holzingenieurwesen an der FH Aachen studieren
Der Studiengang Holzingenieurwesen führt angehende Ingenieurinnen und Ingenieure in konstruktiven Ingenieurbau (Bauingenieurwesen), Bauphysik, Projektmanagement, Brandschutz und weitere Aspekte des Holzbaus ein. Die Regelstudienzeit beträgt sieben Semester, mit der Möglichkeit jeweils eines zusätzlichen Praxis-, Auslands- und Orientierungssemesters. Die Studierenden erwerben den akademischen Grad „Bachelor of Engineering (B.Eng.)“, ein Bauingenieur-Masterstudium kann angeschlossen werden.